feel the blues. die dritte.

lebensgefühl

zwischen gestern und morgen
ging ich verloren
sah bilder ohne farben, versuchte klänge
worte zu erinnern
die waren wie verdorrte pflanzen. stehen geblieben. leer





du gehst verloren, wenn nichts mehr kommt
wenn vieles nur noch letztes ist
und so grau wie diese novembertage
an denen sich das leben schon eingerahmt anfühlt



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fingerübung

auf der weltkarte fährt er
von rechts nach links und von oben nach unten
überwindet mühelos
erhebliche entfernungen, zögert nicht vor deutlichen grenzen
überschreitet sie lustvoll
schwingt sich gedankenschnell durch kartenräume
die ihm noch träume sind





bis dann im speisesaal das essen serviert wird



☆ ☆ ☆ ☆ 





man sagt uns so

immer mehr menschen krähen sich in diese welt

leiden an ihr oder halten sie irgendwie aus
oder sie lassen es krachen
wie auch immer mit wem auch immer




doch wenn dann - eines tages
die letzten feierabende gefeiert sind
treffen sich - sagt man uns - alle auf dieser straße

hinter der kurve



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traumhaft

im traum
in weicher nacht
waren sie in einer anderen welt
da trafen sie sich
sie träumten denselben traum





aufgewacht
fühlten sie traurigkeit
suchten das erinnern und sehnten sich
zueinander


❤️❤️❤️





jeder tag

wenn dir heute schon
dein gestern verdämmert ist
wie einer dieser träume aus irgendeiner nacht
und wenn dir
jeder neue tag so ist wie jeder tag
   dann solltest du vielleicht ...




oder



oder





doch es wird wohl wieder nur ein neuer jeder tag werden




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wenn später die bilder kamen

war es nicht das wolfsgeheul der großstädte
die menschen im buntgeflacker nächtlicher straßen
nicht ihre zeitzerhackten rituale
die sie erleben nannten




aber der frühe morgen war es. das laufen am leeren strand
dieser horizont, den ich nie erreicht habe
wellen und sand und sonne waren es und die stille
in der das meer seine geschichten erzählte





und es waren die kleinen, in die landschaft gemalten ortschaften
freundlich einladend, mit zeitvergessenen märkten
mit schlendern, sich anrühren lassen
dort bleiben wollen
. . .









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es gibt unseren mond nicht mehr





nicht den sommer, nicht das meer
nicht den frühen morgen
zeit nahm die farben aus diesen bildern
alles liegt nun
 staubfrei verpackt
in den schubladen der erinnerung
irgendwo links unten



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ich werde, denk ich mal so, vermutlich nicht
hundert




da steige ich besser schon vorher 
aus diesem fenster und
verschwinde





◉ ◉ ◉






lieben

es gäbe so viel miteinander zu machen, zu reden, zu erleben
zu lieben
aber weil es dinge gibt, die dem entgegenstehen
und es gibt sie immer,  jene dinge
die dem entgegenstehen
bleiben uns nur gedanken und träume




sie aber sind wie die seifenblasen der kinder
die kühn aufgestiegen, eben noch elegant schwebend
müde taumeln
und einfach verschwinden












offline



altern gilt als systemfehler
mit absturzgarantie
lebenserfahrung, soziale kompetenz oder gar weisheit
sind romantische verbrämungen
sentimentale folklore
profitneutral
offline



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es war still geworden


ermattete farben
eingetaucht
in die schatten des nichts
über flirrenden ebenen
aus zerstaubten gebeinen
jene stumme klage namenloser ewigkeit




und in weißen gewändern
indenwindenwebendmitdenwindenschwebend
die herren aller zeiten
mit gefälligem wohlgefallen an dieser erde
im fliehenden licht
zwischen den horizonten




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entzwei


es sind tage wie diese
an denen die stille unerträglicher ist als sonst
wenn alle farben ins dunkel tauchen
und es kalt wird
um mich her
wenn das mosaik deines sommerlachens
in tausend splitter zerspringt






und auch die zeit
nicht zu heilen vermag



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(gewünschte alternativfassung eines gedichtes von twilight / lyrikecke)
www.lyrikecke.de / twilight / mario

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oft war es still

immer
wenn er in späten jahren
in die welt hinausging
war sein ankommen einem abschied gleich




über freudigem wahrnehmen
und erobern
über jeder genussvollen einkehr
lag etwas ungewisses
so ein hauch von wehmut
und zwischen junger unbekümmertheit
ringsum
war es oft still in ihm






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nie zu zweit





man ist allein
immer und wo auch immer
niemand war je zu zweit, wir waren
vereinnahmt
von gleichgesinnten in gleichsinnigen netzwerken
benommen vom schönen schein unendlicher zweisamkeit
oder
eingefangen von gesalbten reden in langen gewändern
man lernt es zu wissen
wenn die tage weniger werden




*   *   *





als die zeiger

als die zeiger der uhr auf null gingen
war er vorbei
der sechsundzwanzigtausendsechshundertfünfundvierzigste tag des lebens
vorbei waren die kleinen katastrophen
vorbei war gewichtiges oder banal vertändeltes
man hatte ihn kaum bemerkt
und er war gegangen, wie all die anderen zuvor

und so war er denn fort mit dem wind
war hinabgedämmert im späten licht der sonne
war eins geworden mit den nebeln des vergessens





dieser tag
der schon einer der späteren war



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 die zeit steht still


wenn es vorbei ist
scheint die zeit im raum gefangen
alles andere wird weitergehen
draußen werden sie tun und machen wie immer
aber dieser raum hat keine fenster




so fühlt sich das wohl an
wenn man es hinter sich hat






*    *    *    *    *






kein licht mehr




als der mond vom himmel gefallen war
und auch die sonne
kein licht mehr in die nacht schickte
als schwarze löcher
zum synonym für seelen wurden
und augen nichts anderes mehr schauten
als nichts

wie hohl klangen da und misstönig
die geschäftigen schalmeien der jenseitsverkäufer


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nacht ist.




nacht ist.
ja was. nacht.
ist doch immer dunkel.
irgendwie.
tappst da so durch.
irgendwie.
oder irrst da rum.
hell war mal.
schon länger her.



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